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Chemische und physikalische Sonnenschutzfilter: Unterschiede und welche man wählen sollte

Chemische und physikalische Sonnenschutzfilter: Unterschiede und welche man wählen sollte

Wenn man einen Sonnenschutz auswählt, gibt es vor dem SPF eine Frage, die oft für Verwirrung sorgt: Sind chemische Filter oder physikalische Filter besser? Rund um dieses Thema kursieren Vereinfachungen und echte Mythen – angefangen bei der Vorstellung, dass mineralische Filter die Strahlen wie ein Spiegel „reflektieren“. In diesem Eintrag unseres Glossars klären wir auf: Wir sehen uns an, wie die beiden Filterfamilien wirklich funktionieren, welche Vor- und Nachteile jede hat und wie man sich je nach Hauttyp orientieren kann.

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Was sind Sonnenschutzfilter

Sonnenschutzfilter (oder UV-Filter) sind die Inhaltsstoffe, die einen Sonnenschutz in die Lage versetzen, die Haut vor ultravioletter Strahlung zu schützen: die UVB, die für Sonnenbrände und direkte Schäden an der DNA der Zellen verantwortlich sind, und die UVA, die tiefer eindringen und hauptsächlich für Lichtalterung und Flecken verantwortlich sind. In Europa sind die in Kosmetika verwendbaren Filter im Anhang VI der Verordnung (EG) 1223/2009 aufgeführt: Nur Moleküle, die vom Wissenschaftlichen Ausschuss für Verbrauchersicherheit (SCCS) als sicher bewertet wurden und innerhalb definierter Höchstkonzentrationen liegen, dürfen in Formulierungen verwendet werden.

Die beiden großen Familien sind organische Filter, allgemein als „chemisch“ bezeichnet, und anorganische Filter, genannt „physikalisch“ oder „mineralisch“. Die Unterscheidung in den Namen ist eher kommerziell als wissenschaftlich – auch mineralische Filter sind im Grunde chemische Substanzen – aber so ist die Sprache, mit der wir sie alle kennen.

Chemische Filter (organisch): wie sie funktionieren

Chemische Filter sind organische Moleküle, die UV-Strahlung absorbieren: Sie fangen die Energie des Photons ein und wandeln sie in eine winzige Menge Wärme um, die sie unschädlich wieder abgeben. Zu den in Europa am häufigsten verwendeten INCI-Namen gehören Ethylhexyl Triazone, Bis-Ethylhexyloxyphenol Methoxyphenyl Triazine (bekannt als Tinosorb S), Methylene Bis-Benzotriazolyl Tetramethylbutylphenol (Tinosorb M, das auch teilweise physikalisch wirkt) und Diethylamino Hydroxybenzoyl Hexyl Benzoate.

Ihre Stärken sind konkret:

  • Leichte und transparente Texturen: Sie lassen sich leicht auftragen, hinterlassen keinen weißen Film und eignen sich für flüssige Formulierungen, ideal für die tägliche Anwendung im Gesicht.
  • Breitbandiger Schutz: Filter der neuen Generation decken UVA und UVB sehr effizient und photostabil ab.
  • Hoher Schutz bei geringem Dosierungsaufwand, was die angenehme Textur der Formulierung verbessert.

Die historische Schwäche chemischer Filter ist die Verträglichkeit: Einige Moleküle älterer Generation (wie Oxybenzon, das heute immer seltener verwendet wird) konnten bei empfindlicher Haut Sensibilisierungen auslösen. Moderne Filter sind viel stabiler und besser verträglich, aber bei geschädigter Haut oder bestehenden Dermatitiden ist Vorsicht geboten.

Physikalische Filter (mineralisch): wie sie wirklich funktionieren

Die physikalischen Filter sind zwei: Titandioxid (Titanium Dioxide) und Zinkoxid (Zinc Oxide). Es handelt sich um mineralische Pulver, die auf der Hautoberfläche verbleiben und hauptsächlich... ebenfalls UV-Strahlung absorbieren.

Mythos entlarvt: Entgegen der häufigen Annahme funktionieren mineralische Filter nicht, indem sie die Strahlen wie ein Spiegel reflektieren. Photochemische Studien haben gezeigt, dass Titandioxid und Zinkoxid etwa 95 % der UV-Strahlung absorbieren, die sie blockieren, und nur einen kleinen Teil reflektieren oder streuen, meist im sichtbaren Lichtspektrum – daher der weiße Effekt auf der Haut.

Die Vorteile mineralischer Filter:

  • Hervorragende Verträglichkeit: Da sie inert sind und nicht in gesunde Haut eindringen, sind sie die erste Wahl für empfindliche, reaktive Haut, Kinder und nach dermatologischen Behandlungen.
  • Photostabilität: Sie zersetzen sich nicht durch Sonneneinstrahlung.
  • Sofortige Wirksamkeit nach dem Auftragen.

Die Nachteile sind vor allem kosmetischer Natur: der weiße Effekt (reduziert, aber nicht eliminiert durch mikronisierte Formen), dichtere Texturen und die Schwierigkeit, sehr hohe SPF-Werte zu erreichen, ohne die Formulierung zu beschweren. Um den weißen Schleier zu minimieren, verwendet die Industrie Nanopartikel, die im INCI durch die Bezeichnung nano in eckigen Klammern direkt nach dem Inhaltsstoffnamen gekennzeichnet sind: Auf intakter Haut verbleiben sie an der Oberfläche und gelten unter den genehmigten Anwendungsbedingungen als sicher vom SCCS, während das Einatmen nicht empfohlen wird (Vorsicht also bei mineralischen Spray-Formaten).

Chemische oder physikalische Filter: die Unterschiede im Überblick

Gegenübergestellt unterscheiden sich die beiden Familien so:

  1. Mechanismus: Beide absorbieren UV-Strahlung; die mineralischen streuen zusätzlich einen kleinen Anteil. Der eigentliche Unterschied ist nicht „Absorbieren versus Reflektieren“, sondern die Natur der Moleküle.
  2. Textur: Chemische Formulierungen sind leichter und unsichtbar, mineralische sind dichter und neigen zum Weiß-Effekt.
  3. Verträglichkeit: Maximal bei mineralischen; sehr gut bei modernen chemischen Filtern, mit etwas mehr Vorsicht bei reaktiver oder geschädigter Haut.
  4. Schutzumfang: Die besten Ergebnisse erzielt man heute oft durch Kombination mehrerer Filter, auch aus beiden Familien, um das gesamte UVA- und UVB-Spektrum photostabil abzudecken.

Welche Wahl je nach Hauttyp

Es gibt keinen absoluten Gewinner: Es gibt den richtigen Filter für die richtige Haut. Einige praktische Hinweise:

  • Empfindliche, reaktive Haut mit Couperose oder Dermatitis: Bevorzugen Sie mineralische Filter oder Formulierungen mit modernen chemischen Filtern, die für empfindliche Haut getestet sind, und suchen Sie nach beruhigenden Wirkstoffen wie Thermalwasser und Ceramiden in der Formulierung.
  • Fettige oder zu Akne neigende Haut: Priorität hat eine leichte, nicht komedogene und talgabsorbierende Textur; moderne chemische Filter in flüssigen oder Gel-Vehikeln sind in der Regel die komfortabelste Wahl.
  • Haut mit Flecken oder Dyschromien: Ein breitbandiger SPF 50 ist das ganze Jahr über notwendig, idealerweise mit Antioxidantien (wie Vitamin C), die auch den durch UV induzierten oxidativen Stress bekämpfen.
  • Kinder und geschädigte Haut: Mineralische Filter in Cremeform, Spray vermeiden.

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Denken Sie daran: Der beste Filter der Welt wirkt nicht, wenn er nicht in ausreichender Menge aufgetragen wird. Für das Gesicht sind etwa zwei Fingerbreit Produkt nötig, das alle zwei Stunden Sonneneinstrahlung und nach jedem Baden erneut aufgetragen werden muss, egal welche Filterfamilie gewählt wurde.

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Für weitere Informationen lesen Sie auch unseren Leitfaden zur Wahl des besten Sonnenschutzes für jeden Hauttyp, die Tipps zu Pflege empfindlicher Haut nach dem Sonnenbad und die vertiefende Betrachtung zum Zusammenhang zwischen Sonnenschutz und Vitamin D.

Zusammenfassung

Chemische und physikalische Filter erreichen dasselbe Ziel auf leicht unterschiedlichen Wegen: Erstere absorbieren UV mit organischen Molekülen in leichten und unsichtbaren Texturen, letztere mit inertem Mineralstoff und makelloser Verträglichkeit. Moderne Formulierungen kombinieren sie oft, um das Beste aus beiden Welten zu erhalten. Mehr als die Filterfamilie zählen drei Dinge: breites UVA/UVB-Spektrum, richtige Menge und konsequentes Nachcremen. Der perfekte Sonnenschutz ist am Ende der, den man wirklich jeden Tag benutzt.

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